Die Kostbarkeiten der Welt des Lichts

Ausfall, Feierabendverkehr. Riesige Banner,
die ganze Gebäudezüge verhängen,
werben für fast nackte Frauen.

Dahinter, viel größer noch und nicht zu verstellen,
prangen mächtige Wolkengebilde
in feinsten Tönen von Grau und Gold.

Die Kostbarkeiten der Welt des Lichts.
Und die Weite des inneren Raums,
wo man davon ergriffen werden kann.

Das Waschen der Wolken

Unten liegen am Morgen die leeren Flaschen,
oben werden die Wolken von innen gewaschen –

entäußert der Farben des künstlichen Lichts,
diese lösen sich ab und zerfallen zu nichts.

Und das Leuchten, das sie jetzt schon als ganze erhellt,
nimmt rasch zu und ergreift auch die irdische Welt.

Goethes Krönung und seine Errettung durch den Faust

Wie sich Goethe als Kind in den Krönungssaal eingeschlichen hat zur Krönung des Kaisers. Das habe ich gerade wieder bei Melville gelesen, im „Moby Dick“. Der fand das offenbar auch bemerkenswert. Er erlebte die Krönung durch die Augen Goethes. Dieser hatte sich also offenbar nicht nur zu eigenem Gewinn hinein geschummelt. Vorgesehen war das aber nicht gewesen von der Einrichtung der Welt. Wie kam Goethe also dazu? Dachte er  „Es geht nicht, dass ich davon ausgeschlossen bin“? Oder welches waren seine Gedanken sonst?

Auf jeden Fall strebte er danach hineinzukommen, verlangte danach, betrieb es mit allem, was ihm zur Verfügung stand und kam schließlich rein.

Durch wessen Begünstigung aber? Stand da der Pakt schon? Oder wurde er erst drinnen geschlossen, im Herzen des kleinen Goethe, als er das alles erlebte, die Welt des Umkreises der Macht, die des Adels? Denn es ist ja nicht vorstellbar, dass da, als er das alles sah und erlebte, nicht solche Begehrlichkeiten entstanden wären in seinem Herzen. Und er fand ja dann auch Zugang zu diesen Kreisen, er, nicht etwa Lenz, von dem er sich dafür auch trennen musste.

Warum ist das aber interessant vor dem Hintergrund des Gedankens, dass in dieser Welt keiner Reichtum, Ruhm und Macht erlangt, wenn nicht durch Gnade des Fürsten eben dieser Welt?

Wegen der Faustgeschichte. In der entwirft er die Erlösung dessen, der einen Pakt mit Mephisto eingegangen ist. Zunächst indem er diesen zur Wette umdeutet. Dann indem er Mephisto die Wette verlieren lässt. Und an dieser Erlösungsgeschichte arbeitet er sein ganzes Leben hindurch und mit sich verstärkender Intensität im hohen Alter, als  der Tod, vor dem er so panische Angst hat, unentrinnbar immer näher rückt. An dieser Geschichte ist ihm offenbar mehr als an allem anderen gelegen. Auch das muss man wohl konstruktivistisch lesen, ideenrealistisch.

Und er veröffentlicht den zweiten Teil nicht. Warum nicht? Das hat mit Sicherheit viele Gründe, und bestimmt auch solche, die er nicht genannt hat und deren er sich vielleicht noch nicht einmal bewusst war.

Damit niemand durch Einspruch gegen dieses Ende die Konstruktion erschüttern und so die eigene Errettung gefährden könne.

Sokrates und Xantippe

Als das Urteil über Sokrates gesprochen war,
ging dieser zu seiner Frau und berichtete ihr.
Und er sagte, dass er die Stadt verlassen wolle.

„Du glaubst also, dass sie dich töten wollen?“,
entgegnete Xantippe mit skeptischen Gesicht.

„Nein“, sagte Sokrates, „Ich weiß es.“
„Nichts weißt du!“, erwiderte sie,
„Sie werden dir nichts tun! Für wen hältst du dich?“
Sokrates schwieg und schaute sie an.

Dann entrang sich ihm plötzlich ein lautes Lachen,
er klatschte in die Hände, fasste sie bei den Schultern
und küsste ihre Fingerspitzen.

Sokrates blieb also in der Stadt und seine Frau behielt Recht.
Indem er die Angst fallen ließ, konnten sie ihm nichts tun,
und er ging erhöht aus der Angelegenheit hervor.