Sieg des Tageslichts

Aus dem Küchenfenster – die Weglaterne
vor dem morgendlichen Himmel.

Der Moment, in dem das elektrische Licht
sich ausschaltet,

kapituliert vor der größeren Helle des Tages,
und den Versuch aufgibt,

die Welt in seinen Schein zu setzen.
Ende des dunklen Zeitalters.

Festbeleuchtung.
Woher auch immer die kommt.

Sie ist herrlich
und nimmt weiter zu.

Ödipus als Erlöser

Die ganze unerlöste Menschheitssubstanz
lässt sich wohl nicht von außen erlösen,
nur von innen her.

Der Erlösungswille muss da immer wieder neu rein,
in alle Verletzungen, in alle Zustände,
die diese mit sich bringen und nach sich ziehen.

So steht das ja auch bei Walter Benjamin: Man müsse sich
auf die Widersprüche des Daseins da einlassen,
wo sie allein zu lösen sind, im Menschen. Das sei Weisheit.

Und darum ist auch Ödipus ein solcher Weiser.

Gewöhnlich sieht man es so, dass er durch all das erlebte Leid
zu Weisheit und menschlicher Größe erst gekommen sei.

Man kann es aber auch so sehen, dass der Mythos von Ödipus
schon vor seiner Geburt bestand als etwas,
was sich ereignen musste in der Sphäre des Menschseins,

die ja wachsen muss durch Anlagerung neuer Erfahrungen.
Und wie sonst hätte Iokaste die Geschichte schon erfahren können,
bei seiner Geburt, wenn sie noch nicht da gewesen wäre?

Und dass also – wie im Theater, denn auch insofern ist die Welt ja
ein großes Theater – unter den Ungeborenen gefragt wurde,
wer bereit sei, die Rolle des Ödipus zu verkörpern.

Dafür kam nur ein Weiser in Frage und dazu
war auch nur ein Weiser bereit. (Einer der Einsicht haben konnte
in die Notwendigkeit dieses Geschehens.)

Das heißt es, Ödipus nicht als Opfer zu sehen sondern als einen,
der selbstwirksam war und Verantwortung übernahm
durch sein Leben für das Fortschreiten die Menschheit.

Der also nicht durch sein Leiden zum Weisen geworden ist,
sondern durch seine Weisheit zum Leiden gekommen.

Farbe und Geheimnis des Lichts

1.
Ich schaue auf zum Himmel
und er erscheint mir in seiner Farbe.

Aber es ist mir auch
als könnte ich mehr wahrnehmen
als nur diese Farbe.
Oder als geschehe da mehr
als nur Wahrnehmung von Farbe.

Und als wäre dieses Weitere nicht nur das Licht selbst,
wohl aber etwas, das das Licht, zusammen mit der Farbe,
gleichfalls trägt und vermittelt.

Im Wahrnehmen und Erleben des Himmels
mischen sich auf geheimnisvolle Weise
die Farbe als Offenbares und das Geheimnis des Lichts.

2.
Es ist eine Wahrnehmung und es ist ein Erleben,
die zugleich beides sind, sinnlich und übersinnlich.

Und ihnen liegen zu Grunde zwei Hinwendungen zum Himmel,
die augenscheinlich aneinander gekoppelt sind.

Das eine ist die Ausrichtung des Blicks dorthin
und sein Verweilen dort,

das andere die Öffnung des Herzens,
die ein Einströmen des Geheimnisses erlaubt.

Wo zuvor statische Trennung war zwischen hier und dort
ist dann dieses Strömen,

das durch Hier und Dort hindurchgeht
und sie in sich aufnimmt und aufhebt.

3.
Es ist so einfach!

Klärung der Grenze

Früher Morgen. In den Wolken
ein scheues Rosa.

Der Himmel, dahinter und darin,
ist schon anfänglich erleuchtet
und klärt an den Oberkanten der Häuser

die Grenze zwischen dem Bestimmten, Dunklen,
und der Unermesslichkeit,

dem Himmel, dem Bestimmenden.
Dem Licht der Welt.